Die inhaltliche Konzeption des Festivals go drag! ist weltweit völlig neuartig. Es gab bis dato in mehreren Städten (San Francisco, New York, London u.a.) Drag King Events, die meist aus Kurz-Performances zusammengesetzt waren. Teilweise gingen diese Kurz-Performance-Abende in den USA, aber auch schon 1996 in Deutschland (initiiert von Bridge Markland) auf Tournee.

Während unseres Festivals werden sowohl abendfüllende Stücke, als auch Abende mit Kurz-Performances präsentiert. Es werden eine Ausstellung präsentiert, Workshops veranstaltet und ein speziell für dieses Festival zusammengestelltes Filmprogramm gezeigt.

Seit einigen Jahren ist das Phänomen Drag Kings von sehr großem Interesse für die Mainstream-Medien. Es ist an der Zeit, der reißerischen Talkshow-Verwertung eine fundierte künstlerische Auseinandersetzung hinzuzufügen.

Mit diesem Festival wollen wir zeigen, dass es sich nicht nur um eine modische Zeiterscheinung handelt, sondern sich Künstlerinnen verschiedenster Kunstrichtungen sehr ernsthaft und teilweise schon seit Jahrzehnten mit dieser Thematik auseinander setzen.
Die Stärke, Intensität und Qualität von Frauen, die auf der Bühne Männer spielen, sowie Gender-/ Geschlechts-Stereotypen in Frage stellen, soll konzentriert sichtbar gemacht werden.

Jenseits der von den Medien gern verbreiteten Plattitüden und Sensationen wurden für dieses Festival hochkarätige internationale Künstlerinnen ausgewählt. Einige dieser Künstlerinnen arbeiten seit sehr vielen Jahren innerhalb des Genres der Frau-zu-Mann-Verkleidung (female-to-male cross-dressing) und bringen dieses höchst unterschiedlich performend auf die Bühne.

Bei go drag! führen Frauen spielerisch und lustvoll vor, dass sie auch die besseren, fieseren, schöneren... Männer sein können, genialen Spaß an diesem ihrem Tun auf der Bühne haben und den Spaß ebenso ihrem Publikum bereiten. Durch das Spielen von Männern erweitern Drag Kings Grenzen und hinterfragen das Besitzrecht am Maskulinen. Intelligenter Witz und Humor sind sehr wichtige Elemente dieser transformativen Performances.
   
  Nationaler und internationaler Ansatz
 

Die teilnehmenden Performerinnen kommen aus Skandinavien: Norwegen, Schweden, Finnland, Island; Italien, Österreich, Deutschland, England und den USA.

Im Anschluss an das Festival in Berlin soll go drag! innerhalb Deutschlands und Europas auf Tournee gehen. Zur Zeit wird an Kooperationen mit Veranstaltern in anderen deutschen Städten und europäischen Ländern gearbeitet, speziell den Ländern, aus denen die Künstlerinnen kommen.

   
  Bedeutung für die Kulturstadt Berlin
 

Die Tatsache, dass dieses Festival innerhalb der Gender-Debatte neue Wege geht und seine Welt-Premiere in Berlin haben wird, bedeutet für die Stadt Berlin einen ganz besonderen kulturübergreifenden Zugewinn. In der heute so wichtigen Geschlechterdiskussion und angesichts der stetigen Zunahme von Gender Studies-Studiengängen in vielen Städten und Ländern, wird diese ernsthafte künstlerische Auseinandersetzung mit den Themen weiblicher Kleidertausch und Androgynität auf der Bühne, im Film und als Foto-Ausstellung weltweit neue Maßstäbe setzen.
go drag! wird interessierte Fachpersonen verschiedener Sparten und Künste aufmerksam machen und anlocken. Desweiteren wird die vielfältige Gender-Debatte durch spannendes und brisantes künstlerisches Material weiter angeregt und befruchtet.

   
  Vorherige Projekte
 

1994 organisierte Bridge Markland ihren ersten Drag King Performance Abend. Der Event hieß ‚Vatertag’ und fand an selbigem im kultigen Performance Club ‚Ex’N Pop’ in Berlin Schöneberg statt.

Schon 1996 organisierte Bridge Markland eine Drag King Tour durch Deutschland, die mit dem inzwischen gewachsenen ‚Herrenabend’ durch fünf deutsche Städte tourte: München, Hamburg, Berlin, Düsseldorf und Köln.

1997 initierte Bridge Markland in Berlin einen kleinen Vorläufer von go drag! mit demselben Namen. Es fanden innerhalb von drei Wochen drei verschiedene One-Woman-Transgender-Performance Abende jeweils eine Woche lang im STÜKKE Theater Berlin Kreuzberg statt. Die Veranstaltungen fanden riesigen Zuspruch. Zu dieser Reihe war damals auch schon Diane Torr eingeladen.

Diane Torr gibt seit 1989 Drag King Workshops und tourt mit ihren Performances und Workshops durch die ganze Welt. Die Drag King Szenen vieler Städte haben sich durch ihre Workshops befruchten lassen und es gründeten sich im Anschluß an ihre Kurse diverse spektakuläre Performance Gruppen, wie z.B. subfrau in Skandinavien.

Seit Jahren wollen Diane Torr und Bridge Markland die talentierten Künstlerinnen vieler Länder zusammen bringen, hier ist das Festival!

   
  Zitate
  "Als Mann bist du viel glaubwürdiger in dieser Gesellschaft. Wenn du als Mann einen Raum betrittst, nehmen die Leute dich sofort mit Respekt wahr. Wenn du als Frau einen Raum betrittst, schauen sie, ob du sexy bist, das ist das erste - Männer und Frauen tun das. Dann überprüfen sie dein Alter, wenn du älter als 35-40 bist, vergiss es! Nur wenn du eine besonders elegant gekleidete Dame bist, werden sie möglicherweise neugierig."
  Diane Torr im Film "Venus Boyz"
   
  "Ich glaube, dass wir sehr stark in der Tradition stehen. In afrikanischen und indianischen Gesellschaften gab es immer Menschen die Kleidertausch betrieben haben, mit Aspekten beider Geschlechter lebten. Das waren meistens die spirituellen Menschen, die Medizinleute, die HeilerInnen. Indem wir zeigen, dass wir uns mit Aspekten beider Geschlechter als selbstverständliche Bestandteile unserer Identität wohlfühlen bringen wir den Menschen Heilung...Ich glaube dass, die Welt sich verändert."
  Storme Webber im Film "Venus Boyz"
   
  "Obwohl ich wusste, dass sie weiblich war, war für mich die Art und Weise wie sie Martin spielte, verlockend, unwiderstehlich und unglaublich verführerisch ..."
  Del LaGrace Volcano über eine Performance von Shelly Mars/New York, Drag King und Schauspielerin; "The Drag King Book", Del LaGrace Volcano, Judith "Jack" Halberstam, Serpent’s Tail, 1999
   
  "Der Kleidung obliegt eine Zeichenhaftigkeit, die sie als eine konkrete Form der Sprache dazu prädestiniert, gesellschaftliche Veränderungen und Lebenshaltungen zu transportieren und sichtbar zu machen...wie es möglich ist mittels der Verkleidung die eigentliche Intention von Kleidung ad absurdum zu führen."

"Das biologische Geschlecht (sex) ist Effekt der soziokulturellen Konstruktion des gesellschaftlichen Geschlechts (gender). Durch die Teilung wird die Grundannahme der Identität von >sex< und >gender< gestört. Denn exakt diese beiden Kategorien kollidieren beim Crossdressing."
 

Susanne Benedek / Adolphe Binder, "Von tanzenden Kleidern und sprechenden Leibern", edition ebersbach, 1996

   
  "You’re born naked and the rest is drag."
"Du wirst nackt geboren, der Rest ist Verkleidung.”
  "Lettin It All Hang Out", An Autobiography by RuPaul (bekannte New Yorker Drag Queen), Hyperion: New York, 1995
   
  "Männlichkeit ist für alle da, sie ist nicht an ein biologisches Geschlecht gebunden, dasselbe gilt natürlich auch für Weiblichkeit."
  Judith "Jack" Halberstam, Gender Theoretikerin
   
  Wenn Del LaGrace Volcano gefragt wurde: "Was ist ein Drag King?" antwortete er: "Jede Person (unabhängig von ihrem biologischen Geschlecht), welche eine bewusste Performance aus Männlichkeit machen möchte."
   
  "... Nur dadurch, dass ich eine Performance aus meiner Weiblichkeit machte, konnte ich eine weibliche Person sein/darstellen ..."
  Del LaGrace Volcano, Judith "Jack" Halberstam, "The Drag King Book", Serpent’s Tail, 1999